installation views
A subtile and reflected statement for art in public space
Lower Austria at the river Danube/ Klein Pöchlarn, 2017

Wo nlands haft

Schwarz auf Weiß, ein Wort mit Lücken, ausgesparten Feldern oder abgekratzten Buchstaben? Die vermeintlich fehlenden Zeichen ermöglichen Abstraktion, Wort- und Gedankenspiele. Das Schriftbild lässt an Landschaft, Natur und Situationen im Außenraum ebenso denken wie an Innenräume mit dem Symbol der familiären Behaglichkeit. Der Wunsch nach Vervollständigung des Worts ist legitim.
Mit dem Objekt wird eine Situation geschaffen zum Innehalten, Verweilen oder Zurückkommen. Ein Wiederkehren, um im Wechsel der Jahreszeiten eine Dokumentation zu machen: gleicher Standort, gleiche Perspektive mit wechselndem Naturszenario – oder ein Zurückkommen aus Neugierde das Schild erneut zu betrachten, welches immer noch vermeintliche Lücken aufweist oder doch ergänzt wurde? Impulsgebend für die künstlerische Intervention ist die Idee, dem bestehenden Schild eine adäquate zweite Seite zu geben.
Der Platz an der Donaulände von Klein-Pöchlarn ist mit dem Schild „Havarieabsetzplatz Wassertiefe 1,50 – 2,30“ markiert. Die Lesbarkeit des Schilds ist auf den Schiffsverkehr ausgerichtet. Für FußgängerInnen und RadfahrerInnen, die den Treppel- und Radweg nützen, ist der Anblick der 3 x 1 Meter großen Rückseite der Tafel unattraktiv.
Als künstlerisches Statement soll ein zweites Schild aufgestellt werden. Die Größe der neuen Tafel entspricht exakt dem vorhandenen Schild, ebenso Platzierung und Materialwahl.
Ein Bild zum Verweilen bekommt Form an der Donaulände von Klein-Pöchlarn ebenso wie im Ausstellungsraum. Hier wird das kontemplative Bild von Wasser und Landschaft in den Innenraum geholt. Die Bewegung erfolgt im Kopf und symbolisch durch die Räder der Monitorkonstruktion.

© Judith Huemer 2017