Fotogalerie Wien, Vienna
installation, wood, balloon, projection, DVD color, sound, 7 min in loop
Rome/Vienna 2000/2003

Es war einmal eine junge Frau, die trug den Namen Judith, und während sie in Rom weilte...

Judith Huemer uses motives from the fairy tale „Rapunzel" by Gebrüder Grimm and brings them in relation to her own life in a clever and opportune way. The artist as protagonist does not represent the endless, longing waiting at the window. On the contrary, Huemer finds her own way to freedom by going on her travel. Single pictures are put into the continuous film to make different sequences perceptible at the same time. Processes, dreams, thoughts and everyday situations are revealed to the viewer. The video is projected on an oversized balloon, a bubble of the moment, that colours the picture rosy. The highboard, the ladder and the human figure are the carriers of the projection.

Text by Ursula Maria Probst

Judith Huemers multimediale Installation ' Es war einmal eine junge Frau, die trug den Namen Judith, und während sie in Rom weilte...', 2000/2003, trägt Indizien einer Spurensuche und Suchwanderung in sich und nähert sich mit detektivischem Spürsinn der eigenen Existenz. Wie bereits in ihren früheren Arbeiten stehen das Autobiografische und ein narratives Element im Vordergrund. Der Kampf um die erzählerische Autorenschaft wird durch die Aufgabe einer Zweiteilung in Produzentin und Protagonistin in Huemers Kunstproduktion hinfällig.

Judith Huemer entwirft kein idealisiertes Bild von sich, sondern ein Selbstbild, das in der Installation durch den Transfer mit dem Märchen 'Rapunzel' der Gebrüder Grimm in Dialog mit einer fiktiven Story tritt. Rapunzels geflochtener Zopf als Symbol für Weiblichkeit und Erotik, aber auch Gefangenschaft wird zum Ausdruck für Judith Huemers isolierte Existenz während eines Romaufenthaltes. Der verräterische Zopf, der im Video aus dem Fenster baumelt und den Willen zum Ausbruch signalisiert, wird schließlich durch die U-Bahnfahrt vom Zentrum Roms an den Lido zur Metapher der Befreiung.

Judith Huemers Verweise auf das Märchen bergen eine psychosoziale Dimension, aber auch die Kehrtwendung von jeder romantischen Vorstellung von Kunst in sich. Die leiterartige Rauminstallation auf deren rosa Latexballon das Video projiziert wird, lässt Unschärferelationen zu, die das Momenthafte und die Flüchtigkeit des Augenblicks betonen.

Allein darin, wie Judith Huemer in ihrem Video den passageartigen Fluss der Reise filmisch festhält, gelangt zum Ausdruck, dass von ihr Identität nicht als wesenhaft, sondern als operativ begriffen wird. Einerseits hebt Huemer hervor, dass es gute Gründe gibt, die eigene Identität zum Ausgangspunkt für ihre künstlerische Arbeit zu machen, andererseits wird durch ihr Werk zunehmend die Diskussion über die Gefahr der Reduktion und Festlegung auf eine ehemals mobilisierte Identität angeregt. Mit einem erweiterten Nicht-Essentialistischen Begriff von Identität versucht sie sich dieser Fixierung zu entziehen.

Da Judith Huemers Kunst nicht bloß oppositionell ist, kann sie aus engen Definitionen wie feministisch und politisch heraustreten, jenen Definitionen, welche die Kunst in ihrer Wirkung mitunter stumpf machen. In der Absicht mannigfaltige Einschränkungen, Tabus und repressive Normen zu zersetzen, gelingt es Huemer die politischen Kräfte auszutricksen, welche die Grenzen bestimmen und die Kontrolle ausüben.

© Judith Huemer 2017