„Atemzug“, polished steel
Objekt am Vorplatz WESTSICHT GKB-Center, Köflachergasse 7, Graz
Geladener künstlerischer Wettbewerb, Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH, 2016

Atemzug

Ist von Schienenfahrzeugen die Rede, erstehen assoziativ der Schornstein einer Dampflok mit einem Wölkchen vor dem geistigen Auge. Die Dampflok mit ihrem Rauch hat sich als kollektives Zeichen in das Gedächtnis wie in die Bildsprache eingeschrieben. Und obwohl sich die Technologie völlig verändert hat und die Dampflok längst zum Hochgeschwindigkeitszug geworden ist, bleibt der Symbolgehalt des rauchenden Wölkchens bekannt und vertraut.
Gegenwärtig bewegt sich sehr viel: Menschen – Kulturen – Ideen – Utopien. Der Zug, Bewegung und Fortbewegung haben neue Präsenz bekommen. Die Kraft dieser Symbole soll in der künstlerischen Setzung am Vorplatz des Bauvorhabens WESTSICHT GKB-Center Graz als permanente Skulptur visualisiert werden: als ein nachhaltiges Zeichen für Gegenwart und Zukunft, mit Rückblick auf die Geschichte.
Das künstlerische Konzept findet Form in einer dynamisch geformten, freistehenden und polierten Stahlskulptur, die den ephemeren Moment der Dampfwolke einfängt und als symbolisch gezeichnete, emissionsfreie Wellenform im Stadtraum erscheint. Die Skulptur hat mit einem soliden Anker als Fundament eine stabile Bodenhaftung als Ausgangspunkt. Von da steigt sie vertikal in die Höhe, beginnt sich wellenähnlich zu formen und dehnt sich in die Horizontale aus. Der polierte Stahl gibt der Skulptur die Luftigkeit und Leichtigkeit einer Wolkenformation, einen Hauch von Bewegung, einen Wind- oder Atemzug. Je nach Sonnenbestrahlung und Sonnenstand wirft die Skulptur einen Schatten – eine Linie – einen Weg.
Die Vergänglichkeit, das Schwerelose, fast Schwebende des Dampfes wird symbolisch transferiert mit dem Anspruch einer permanenten Skulptur. Dabei wird versucht, den vermeintlich unumstößlichen Gegensatz zu überlisten. Das Material ist beständig, Form und Erscheinung wirken dagegen leicht, dynamisch und bewegt, als ob sie sich auflösen würden durch die Spiegelungen von Wolken, Himmel und Umgebung. So erscheint die Skulptur nur selten in ihrer vollen Dimension fassbar, meist jedoch als in die Luft gesetzter Hauch. „Atemzug“ als Welle/Wolke aus Stahl ist eine Zeichnung im urbanen Raum, gefertigt aus einem zeitgemäßen Material. Sie lässt Geschichte, Tradition und Innovation zu einem Wahrzeichen.

© Judith Huemer 2017